Deckblatt Strasbourg plan pieton
Deckblatt Strasbourg plan pieton

Die Stadt Straßburg am östlichen Rand von Frankreich hat einen recht umfassenden und thematisch ambitionierten Plan zur Förderung des Fußverkehrs beschlossen und bereits einige der Maßnahmen umgesetzt. Folgende sieben Fragestellungen waren für einen Handlungsleitfaden für kommunale Fußverkehrsstrategien auch in Deutschland von Interesse:

Am Ende finden Sie die Quellenangabe.

Welches waren die zentralen Gründe und sind die Ziele für die Initiative?

Der Straßburger Fußgängerplan (Plan piéton de la ville de Strasbourg 2012-2020) war eine Weiterentwicklung der fortschrittlichen Verkehrspolitik der Stadt, die seit 1989 die Entwicklung einer sanfteren Mobilität fördert. Dies geschah bisher u.a. durch die Entwicklung einer autoreduzierten und fahrradfreundlichen Stadt oder durch die Einführung von Straßenbahnlinien und Fußgängerzonen. Durch den Fußgängerplan sollten folgende drei Problemstellungen angegangen werden:

1. Die Herausforderung des Gesundheitswesens
Mit der Entwicklung der motorisierten Verkehrsmittel hat sich seit 30 Jahren die körperliche Betätigung der Menschen reduziert. Die Abnahme einer ausreichenden Alltagsbewegung hat zur Erhöhung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und vom Übergewicht in der Gesellschaft geführt. Zwischen 1997 und 2009 hat sich die Anzahl von Menschen mit Fettleibigkeit im Elsass fast verdoppelt und lag im Jahr 2009 bei 17,8% (1). Die Stadt Straßburg spricht von einer wachsenden übertriebenen „Sesshaftigkeit“, die sowohl Erwachsene als auch Kinder betrifft. Die Förderung des Fußverkehrs habe also nicht nur eine praktische Tragweite, sondern sei eine Frage der Gesundheitsvorsorge.

2. Die gesellschaftlichen Herausforderungen
Für die Stadt Straßburg ist das Zu-Fuß-Gehen mit mehreren Vorteilen verbunden. Es ist gesünder, umweltfreundlicher, sparsamer und ermöglicht eine größere Bewegungsfreiheit und Unabhängigkeit in der Stadt. Jedoch sei der gesellschaftliche Vorteil vom Fußverkehr zu oft unterschätzt und vernachlässigt worden. Die Stadt Straßburg betont, dass Zu-Fuß-Gehen in der Stadt auch zur Entwicklung eines verstärkten Zusammenlebens und einer gemeinsamen Stadtkultur führt. Durch die Fußgängerinnen und Fußgänger existiere der öffentliche Raum und sie vermindern die „gegenseitige Fremdheit“ (mutuelle étrangeté), die einer Stadt innewohnen würde.

3. Eine Lücke in den Regelwerken
Der Fußverkehr und die Fußverkehrsstrategien waren in den Regelwerken und Planungsvorgaben des Gemeindeverbandes „Eurométropole de Strasbourg“ (Straßburg Eurometropole) oder der Stadt Straßburg bisher nicht enthalten. Im Gegensatz dazu gab es für jedes andere Hauptverkehrsmittel eine strategische Planung. Zum Beispiel ist der Autoverkehr durch einen Verkehrsplan und eine Parkraumbewirtschaftung reguliert, während der Bus, die Straßenbahn und das Fahrrad ihren eigenen Masterplan haben. Dies ermögliche eine erhöhte Nachvollziehbarkeit sowohl für die öffentlichen Investitionen als auch für die definierten Ziele und Handlungsmittel. Daher wünschte sich die Stadt Straßburg, diese Lücke durch einen Fußverkehrsplan zu schließen.

Darüber hinaus geht man viel zu Fuß in Straßburg: Laut einer Studie wird ein Drittel der Fortbewegungen von Bürgerinnen und Bürgern zu Fuß durchgeführt. Der Anteil des Fußverkehrs in der Innenstadt liegt sogar bei 52%. Deswegen war das Ausmaß des Gehens in der Stadt auch ein Hauptgrund für die Entwicklung des Fußgängerplans.(2)

Ziel des Fußgängerplans ist es, den Weg für eine fußgängerfreundliche Politik zu ebnen. Mit den 10 Aktivitäten lassen sich verschiedene Zielsetzungen erreichen. Der Plan soll

  • es ermöglichen, die Freude des Zu-Fuß-Gehens wieder zu entdecken (Aktion 1)
  • den Platz für die Mobilität zu Fuß auf den Straßen vergrößern (Aktionen 2, Aktion 3)
  • eine städtische Struktur von fußverkehrsgeeigneten öffentlichen Straßen schaffen (Aktion 4)
  • die Reichweite des öffentlichen Personenverkehrs ÖPV vergrößern (Aktion 5)
  • das Zu-Fuß-Gehen vom Wohnort bis zur Schule fördern (Aktion 6)
  • eine Barrierefreiheit der Wege umsetzen (Aktionen 7,8,9,10)

Gibt es einen Durchführungs-Beschluss?

Der Fußgängerplan der Stadt Straßburg 2012-2020 (plan piéton de la ville de Strasbourg 2012-2020), auch „Straßburg, eine Stadt in Bewegung“ (Strasbourg, une ville en marche) genannt, wurde am 23.1.2012 vom Stadtrat beschlossen. Der Beschluss beinhaltet 10 Aktivitäten und beauftragt den Gemeindeverband „Eurométropole de Strasbourg“, bei der Entwicklung und Gestaltung des öffentlichen Raumes in der Stadt Straßburg auf die Grundsätze des Fußgängerplans aufzubauen:

  • Die 10 Punkte des Fußgängerplans sollen als Maßstab in allen kommenden Straßenbau- und Stadtplanungsvorgängen gelten.
  • Im Rahmen der Umsetzung eines „meisterhaften Fußverkehrsnetzes“ (réseau piétonnier magistral), das die zentralen Quartierslagen verbinden soll, wird der Gemeindeverband „Eurométropole de Strasbourg“ im Jahr 2012-2013 eine Testachse vom Hauptbahnhof (Gare centrale) bis zum Marktplatz (place du marché) in Neudorf realisieren.(3)

Wie sehen die konkreten Handlungsanweisungen aus?

Der Fußgängerplan stellt 10 Aktionen mit konkreten Handlungsanweisungen dar:

1. Das zu-Fuß-Gehen fördern:

  • Veranstaltungen organisieren
  • die kurzen „Fußgänger-Gehzeiten“ (temps-piéton) verdeutlichen (z.B. „in 5 Minuten erreichbar“)
  • besondere attraktive Fußwege ans Licht bringen

2. Den Fußgängerinnen und Fußgängern mehr Platz gewähren:

  • für den Fußverkehr zumindest 50% des Raums in der neuen Charta der öffentlichen Raumplanung widmen (die Charta wird bei Projekten von öffentlichen Straßenbauten, -sanierungen und -ausbesserungen angewendet).

3. Die Konflikte zwischen Zu-Fuß-Gehenden und Fahrradfahrenden entschärfen:
Dies soll insbesondere geschehen durch die Einrichtung neuer Fahrradwege nach einem Fußgänger-Fahrrad-Konfliktplan, der die Stärke des Konfliktes und die entsprechende Form des Fahrradweges oder der Fahrradeinrichtung einschätzen soll.

4. Stadtplanungsdokumente für eine Verbesserung der Fußbarrierefreiheit verwenden:
Das generelle Ziel ist es, ein feines Netz von zu Fuß erreichbaren öffentlichen Straßen in städtischen Gebieten dadurch zu schaffen, dass Stadtplanungsdokumente wie die lokalen Städtebaupläne (Plan Locaux d'Urbanisme) angepasst werden.

5. Die Erreichbarkeit von Haltestellen verbessern:
Bei ÖPNV-Projekten (projets TCPS) sollen stets Verbesserungen der Fußverkehrsanbindung analysiert und möglichst gleichzeitig mit der Maßnahme umgesetzt werden. Derartige Verbesserungen können beispielsweise durch die Erstellung neuer Wege oder die Optimierung und Sicherung der Überquerungen entstehen. Die Untersuchung wird auf einem 500 Meter Radius um die Stationen und Haltestellen durchgeführt. Die anfallenden Kosten müssen niedriger als 1% des Mittelbudgets für die Streckerweiterungen sein.

6. Einführung des Pédibus auf Schulwegen:
- Es sollen bis 2015 Laufbus-Strecken für alle öffentlichen Grundschulen bis 2015 in Straßburg eingeführt und auf Dauer angelegt werden legen.

7. Fußverkehr auf Tempo-50-Straßen attraktiver machen:

  • Es sind neue Fußgängerüberwege anzulegen mit dem Ziel, einen Abstand von maximal 100 Metern zu erreichen.
  • Besonders die Sicherheit und Zugänglichkeit der wichtigsten Fußgängerüberwege soll verbessert werden.

8. Die Übergänge an Kreuzungen für den Fußverkehr verbessern:

  • Es soll eine Anpassung der Ampelschaltungen an die Bedürfnisse der Fußgänger stattfinden, z.B. durch eine Verlängerung der Grün-Zeit.
  • Es sind innovative Handlungen an bestimmten komplexen Kreuzungen vorgesehen, z.B. Begegnungszonen, Ampel mit besonderen Phasen, diagonale Überquerungen.

9. Das Fußverkehrs-Wegesystem ausbauen:

  • Die Wegeverbindungs-Lücken z.B. durch Verkehrsadern oder den Wasserlauf sollen geschlossen werden.
  • Der Komfort für die Gehenden soll auf dem existierenden Wegesystem verbessert werden.
  • Darüber hinaus sollen neue Verbindungen realisiert werden.

10. Ein „meisterhaftes Fußverkehrsnetz“ (réseau piétonnier magistral) umsetzen:

  • Es soll ein fußgängerfreundliches Netz umgesetzt werden, das die weniger als zwei Kilometer entfernten zentralen Quartiersanlagen verbindet.
  • Ein Testweg vom Hauptbahnhof (Gare centrale) bis zum Marktplatz (place du marché) in Neudorf soll in Zusammenarbeit mit Straßburg Eurometropole geschaffen werden.

Ist eine Bürgerbeteiligung vorgesehen?

Für die Umsetzung von einzelnen Maßnahmen finden öffentliche Sitzungen statt, z.B. für die Neugestaltung der Straße Rue du Maire Kuss.(4)

Wie werden die Vorhaben finanziert?

Es gibt keinen gewidmeten Etat für den gesamten Fußgängerplan. Wie beim Fahrradplan sind alle Maßnahmen und Einrichtungen, z.B. Fußgängerbrücken, Fußgängerübergänge, Bänke, Verbesserung der Barrierefreiheit oder der Zugänglichkeit, usw. im Etat vom Straßenbauamt integriert.

Was ist bisher umgesetzt / erreicht worden?

Das Projekt war zum Zeitpunkt dieser Beschreibung noch nicht abgeschlossen. Die folgenden Maßnahmen sind unvollständig und können nur einen Einblick bieten:

Neugestaltung der Straße „rue du faubourg de Pierre“ (im Rahmen der zehnten Aktion) durch Begrünung der Straße und Erweiterung des Raums für den Fußverkehr und für den Aufenthalt. Der vorherige Fußgängerbereich nahm 39% und der jetzige nimmt 45% des öffentlichen Raumes ein.(5)

Vorschlag für fünf zusätzliche fußgängerfreundliche Einrichtungen bei der Verlängerung der Straßenbahnlinie A an der Rudloff Haltestelle (im Rahmen der fünften Aktion und des 1% des Budgets). Die Vorschläge enthalten den Grunderwerb und die Einrichtung von Fußgängerwegen – und Übergängen, die Erhaltung eines Fußgängerzugangs zu einem Park (Parc d'Activités d'Eckbolsheim), die Einrichtung eines Fußgängerüberganges auf der Straße Impasse des Tulipes, die Einrichtung von zwei Fußgängerübergängen und die fußgängerfreundliche Optimierung einer Kreuzung.(6)

Versuch von einem neuen gesicherten Zebrastreifen auf dem Ufer Quai des Alpes (im Rahmen der siebten Aktion). Zur Verbesserung der Sichtverhältnisse müssen die Autofahrenden das Auto fünf Meter vor dem Fußgängerübergang stoppen.(7)

Straßenumbau und Optimierung der Verkehrsregelung an der Kreuzung Pont Kuss und Quai Saint Jean durch neue Zebrastreifen und Straßeneinrichtungen (im Rahmen der achten Aktion). Darüber hinaus wurde im März 2014 ein neues Ampelsystem an der Kreuzung versucht, in dem die Ampeln die noch vorhandene Überquerungszeit anzeigen. Das Projekt wurde positiv evaluiert und solche Ampeln wurden 2017 an vier weiteren Kreuzungen getestet.(8)

Neugestaltung der Straße rue de la Brigade Alsace-Lorraine im Jahr 2013 (im Rahmen der zehnten Aktion und der Erstellung des neuen Fußverkehrsnetzes). Ziel der Umgestaltung war es,

  • mehr Platz für den Fuß- und Fahrradverkehr zu schaffen,
  • den öffentlichen Raum durch eine Reduzierung der Steigerungen und Hindernisse und eine Verbesserung der niveaufreien Gestaltungen erreichbarer zu machen,
  • Tempo 30 auf der Straße einzuführen, um den Fußgängerinnen und Fußgängern eine sichere Querung der Fahrbahnen zu ermöglichen.
  • die Fortbewegungen zu sichern und die Nutzungskonflikte einzuschränken, indem die Geschwindigkeit der Fahrzeuge reduziert worden ist
  • den Zu-Fuß-Gehenden attraktive Fußwege durch eine Bepflanzung der Straße und die Einrichtung neuer Verkehrszeichnen am Boden anzubieten
  • das Parkplatzangebot zu behalten mit sogar einer Erweiterung des Parkplatzes am Maréchal de Lattre de Tassigny Platz.(9)

Neugestaltung der Straße Rue du Maire Kuss, die die Innenstadt und den Hauptbahnhof verbindet. Ziel war es,

  • die Gehwege auf 4,30 Meter zu verbreiten und den Platz für den motorisierten Individualverkehr zu verringern,
  • der Straße mit einem neuen bunten Bodenbelag den Autocharakter zu nehmen,
  • die Kreuzung Straße rue du maire Kuss und Ufer quai Saint Jean umzugestalten, um die Überquerungen zu sichern und zu erleichtern. Dabei ging es auch darum, einen der Hauptzugänge zur Stadt zu verbessern und mit einer Bepflanzung zu verschönern.(10)

Quellen und Anmerkungen:

  1. Enquête épidémiologique nationale sur le surpoids et l'obésité, ObÉpi, Roche, 2009, Seite 38.
  2. Enquête ménage déplacement 2009
  3. Stadtratbeschluss vom 23.01.2012 „Strasbourg, „une ville en marche“ ou le Plan Piéton de la ville de Strasbourg 2012-2020“ (erster Anhang des Fußgängerplans, Seite 51-53).
  4. öffentliche Sitzung
  5. Fußgängerplan, Seite 28 mit Bildern.
  6. Fußgängerplan, Seite 35 mit Abbildung.
  7. Fußgängerplan, Seite 39 mit Abbildung.
  8. Fußgängerplan, Seite 42 mit Abbildung
  9. Website der Straßburg Eurometropole, enthält Fotos vor und nach der Maßnahme.
  10. Website der Straßburg Eurometropole,

Die offizielle Website der Stadt „Straßburg eine Stadt in Bewegung - Strasbourg une ville en marche“:; die PDF „Fußgängerplan Plan piéton, ville de Strasbourg 2011-2020, 23.01.2012“.

Die Beschreibung der Aktivitäten zur strategischen Förderung des Fußverkehrs in der Stadt Straßburg und damit verbunden die Übersetzung der Dokumente erfolgten im Januar 2018.

Die Stadt Stockholm in Schweden möchte als „Weltstadt“ insbesondere den Fußverkehr fördern. Folgende vier Fragestellungen waren für einen Handlungsleitfaden für kommunale Fußverkehrsstrategien auch in Deutschland von Interesse:

Am Ende finden Sie die Quellenangabe.

Welches waren die zentralen Gründe und sind die Ziele für die Initiative?

Laut Aussage des Oberbürgermeisters sei es das Ziel Stockholms bis 2030 eine Weltstadt zu sein „Vision 2030“, wofür die Stadt sich einen „City Plan“ gegeben hat. Darin spielt die „walkable city“ eine entscheidende Rolle:

  • Stockholm soll eine umweltfreundliche Stadt sein,
  • die verschiedenen Stadtteile sollen untereinander verbunden sein,
  • ganz Stockholm soll ein „attraktives, vibrierendes und sicheres städtisches Umfeld“ werden und
  • insgesamt soll das nachhaltige Wachstum gefördert werden.

Gibt es einen Durchführungs-Beschluss?

Der „The Walkable City – Stockholm City Plan“ wurde am 15. März 2010 vom Stockholmer Stadtrat angenommen.

Wie sehen die konkreten Handlungsanweisungen aus?

Die Vorschläge für eine fußgängerfreundliche Stadt sind in der Regel recht übergreifend und allgemein formuliert. Hinsichtlich des Fußgängerverkehrs sind zwei Schwerpunkte von Bedeutung:

1. Ein modernes Verkehrssystem und nachhaltiger Verkehr

  • Angestrebt wird die Reduzierung/Entfernung physischer Barrieren.
  • Die weitere Zunahme von Kraftfahrzeugsflächen induziert neue Kraftfahrverkehre.
  • Wegen des dichtbebauten Stadtzentrums können viele Menschen zu Fuß gehen oder das Fahrrad benutzen.
  • Für Fußgänger und Radfahrer müssen gute Bedingungen geschaffen werden. Dies muss bei der Planung der Verbindungen der Verkehrswege, die in diesem Plan herausgehoben sind, auf jeden Fall berücksichtigt werden.
  • Die Verbindung der einzelnen Stadtteile untereinander und die Beseitigung von Barrieren.

Da viele Teile Stockholms untereinander schlecht verbunden sind und der ÖPNV nicht dazu ermutigt, andere Ziele als die im Zentrum anzusteuern ist eine Langzeitstrategie erforderlich, um die einzelnen Stadtteile miteinander zu verbinden, damit sich ein integriertes Stadtbild ergibt. Der City Plan stellt eine Reihe von Prinzipien vor, die einzelnen Stadtteile miteinander zu verbinden, sowohl aus regionaler wie aus lokaler Perspektive. Diese Strategie basiert vornehmlich auf der Verbesserung der Infrastruktur.

2. Gesundheit, Verkehrssicherheit und Umwelt in einer dicht besiedelten Stadt
Leichte Erreichbarkeit der Sportinfrastruktur und Grünflächen sowie die Möglichkeit, zu Fuß oder mit dem Fahrrad verschiedene Ziele (und Aktivitäten) zu erreichen, fördert einen aktiven Lebensstil, der positive Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit hat.

Ist eine Bürgerbeteiligung vorgesehen?

Beratungsprozesse und Ausstellungen werden gemäß dem Planungs- und Baugesetz durchgeführt. Die Arbeit am Stockholm City Plan war verbunden mit einem Dialog und der Zusammenarbeit mit anderen Interessenvertretern innerhalb der Stadt Stockholm. Zwischen dem 10. November 2008 und 12. Januar 2010 fand ein breiter Beratungsprozess statt und in diesem Zeitraum wurde eine Reihe von Aktivitäten organisiert, um eine große Zahl von Zielgruppen zu erreichen. Der Beratungsprozess erbrachte wertvolle Diskussionen über die zukünftige Stadtentwicklung. Insgesamt erhielt die Stadt 350 schriftliche Meinungsäußerungen von Agenturen, Interessenvertretergruppen, Privatpersonen etc. Zwischen dem 1. Juni und 21. September 2009 wurde ein neuer Vorschlag in die Debatte eingebracht. Währenddessen ging der Dialog weiter und es wurden ca. 100 neue Meinungsäußerungen zu diesem Vorschlag eingebracht.

Quellen und Anmerkungen:

The City Planning Administration (2010): „The walkable City – Stockholm City Plan

Die Beschreibung der Aktivitäten zur strategischen Förderung des Fußverkehrs in der Stadt Stockholm und damit verbunden die Übersetzung des Dokumentes erfolgte Ende 2016.

Die Stadt London in Großbritannien hat einen umfangreichen Plan zur Förderung des Fußverkehrs beschlossen. Folgende sechs Fragestellungen waren für einen Handlungsleitfaden für kommunale Fußverkehrsstrategien auch in Deutschland von Interesse:

Am Ende finden Sie die Quellenangabe.

Welches waren die zentralen Gründe und sind die Ziele für die Initiative?

Der Plan „Vision 2015“ lautet im Kern: Bis 2015 soll London eine der fußgängerfreundlichsten Städte der Welt werden. Zu-Fuß-Gehen soll dann eine bevorzugte Wahl für Menschen sein, denen ihre Gesundheit wichtig ist und die sich erholen wollen. Bis 2015 soll London fußgängerfreundlich sein, d.h. dass die Fußwege sicher sind und somit das Gehen als angenehme Tätigkeit empfunden wird.

Gibt es einen Durchführungs-Beschluss?

Der Plan „ Making London a walkable city – The Walking Plan for London“ wurde 2004 veröffentlicht.

Welches sind die wesentlichen Ziele?

Die Hauptzielsetzung ist es das „functional walking“ zu stärken, d.h. das zweckgebundene Gehen (zur Schule, Arbeit, Einkaufen oder Besuche von Freunden). Zur Erreichung dieses übergeordneten Ziels werden für ganz London die folgenden Teilziele vorgeschlagen:

1. kurzfristig: den Rückgang bei den täglichen Wegen zu stoppen
2. langfristig (bis 2015):

  • den Anteil des Fußverkehrs am Modal-Split für Wege unter 3,6 km auf 10% zu steigern,
  • - die durchschnittliche Anzahl der Fußwege pro Person pro Jahr auf 10% zu erhöhen und
  • Londons Stellung als fußgängerfreundliche Stadt im Vergleich zu anderen Weltstädten zu steigern, und zwar sowohl hinsichtlich der subjektiven Wahrnehmung der Menschen, als auch hinsichtlich tatsächlich gemessener Bedingungen.

Wie sehen die konkreten Handlungsanweisungen aus?

Der Aktionsplan ist in 6 Zielsetzungen unterteilt. Jede Zielsetzung umfasst eine Reihe von Aktionspunkten. Einer „lead agency“ (eine Koordinations- und Führungsstelle – damit ist die TfL: Transport for London gemeint) ist die Aufgabe übertragen worden, die Arbeiten zu koordinieren und die erfolgreiche Umsetzung jeder Handlung zu unterstützen. Zusätzlich wird mit weiteren Stellen kooperiert, um die Zielsetzungen zu erfüllen.

1. Verbesserung der Koordination und der Zusammenarbeit bei der Entwicklung des Gehplans

Allgemein:

  • Zusammenarbeit mit den Partnern und der Bevölkerung soll in jeder Phase der Umsetzung des Plans entwickelt und erleichtert werden, für London wird TfL die Leitung übernehmen.
  • Entwicklung und Aufbau einer „London Walking Conference“ und Verleihung eines jährlichen Preises für die/das wirkungsvollste Gehinitiative/-projekt.

Gesetzgebung:

  • Initiative bei der Regierung, dass bei jeder relevanten Gesetzgebung die Bedürfnisse der Fußgänger berücksichtigt werden.

Training/Ausbildung:

  • Sicherstellen, dass in Schulungen der Mitarbeiter die Bedürfnisse des Fußgängers angemessen zum Tragen kommen.

2. Förderung des Zufußgehens

Verkehrserziehung:

  • Überprüfung der Lehrmaterialien zum Fußverkehr, die in allen Bildungseinrichtungen vorhanden sind, erforderlichenfalls Aktualisierung der Materialien und Integration in die Lehrpläne.

Medien:

  • Entwicklung einer Webseite für das TfL mit Informationen zum Gehen, einschließlich einer Datenbank über die Londoner Gehwegrouten und eines jährlichen Kalenders zu Londoner Gehveranstaltungen und –aktivitäten.
  • Entwicklung und Einrichtung eines Quartal-Geh- / Fußgänger-Newsletters mit Informationen zu Initiativen und Aktivitäten.
  • - Zusammenarbeit mit Partnern, um örtlichkeitsspezifische Informationen und eine Routenübersicht zu erstellen.

Kampagnen:

  • Entwicklung von Kampagnen, die die Durchsetzung und Aufklärung über die Rechte von Fußgängern unterstützen sollen und für die positiven Wirkungen des Zu-Fuß-Gehens für den Einzelnen als auch der Allgemeinheit werben sollen. Die Menschen sollen ermutigt werden, kurze Strecken und auch Teile längerer Wegstrecken zu Fuß zu gehen.

3. Verbesserung der Situation auf den Straßen

Allgemein:

  • Vervollständigung der sechs strategischen Fuß(wege)routen Capital Ring, Jubilee Walkway, Lee Valley Walk, London Outer Orbital Path, Southeast Green Chain und Thames Path.

Straßenbild:

  • Entwicklung einer Kontroll- und Überprüfungsmethode um öffentliche Räume für ihre Eignung auf Fußgängeranlagen hin zu überprüfen. Dadurch wird eine objektive Abschätzung von Vorschlägen für eine Fußverkehrsplanung sowie eine vergleichende Abschätzung der Fußgängerfreundlichkeit eines Gebiets ermöglicht.
  • Entwicklung von Richtlinien für die Straßenbild- und Stadtplanung für die TLRN (Transport for London Road Network) durch den TfL. Von jedem Stadtbezirk/-teil sollten außerdem zusätzlich lokale Richtlinien entwickelt werden, die alle Abweichungen hinsichtlich der Stile und der Materialien dokumentieren sollen, um den örtlichen Charakter und örtliche Spezifika widerzuspiegeln.

Instandhaltung:

  • Entwicklung von Instandhaltungs- und Managementplänen, um lokale Standards für die Entsorgung von Abfällen, Müll und Graffitis von Londons Straßen umzusetzen.
  • Entwicklung von verbesserter Koordination und Überwachung von Straßenbauarbeiten und Sicherstellung, dass geeignete Minderungsmaßnahmen angewendet werden, um Störungen für den Fußgängerverkehr so gering wie möglich zu halten,
  • Sicherstellung einer hinreichenden Wartung von Fußwegen. Baustellen sollten nach Intensität der Fußgängernutzung und dem Grad der Mängel bei den Gehwegen priorisiert werden; an Hauptstraßen wird dies durch AIMS-Überwachung erfolgen.

Maßnahmen für bestimmte Gebiete:

  • Durchführung von Verbesserungen für ganze Gebiete, einschließlich „Straßen für Menschen“, Verbesserung örtlicher Stadtzentren und Kreuzungen nach den Richtlinien „best practice“.

Verbesserung der Erreichbarkeit/Zugänglichkeit von Fußverkehrsanlagen:

  • Entfernung von unnötigen Barrieren und Hindernissen auf der Straße, um öffentliche Plätze erreichbar zu machen. Maßnahmen außerhalb des Gebietes sollen u.a. abgesenkte Bordsteine und blindengerechte Beläge sein, um besseren Zugang zu beliebten und frequentierten Zielen, insbesondere dem ÖPNV, zu gewähren.
  • Zusammenarbeit mit den Straßenbehörden, um Regelungen bezüglich des Gehwegparkens durchzusetzen und aktive Abwehr von Vorhaben, die dieses Problem verschärfen.

4. Verbesserung von Entwicklungsvorschlägen und Kreuzungen

  • Abschätzung von öffentlichen und privaten Vorhaben um sicherzustellen, dass die Planung Verbrechens- und Sicherheitsrisiken minimiert und es einen ausreichenden Zugang für Fußgänger gibt.
  • Beratung der örtlichen Behörden hinsichtlich der Berücksichtigung von Fußgängern durch das Planungssystem, Überwachung/Kontrolle der Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen für den Fußgängerverkehr, der Wirksamkeit der Bedingungen und Übereinkommen gemäß Section 106 und Erteilung von Empfehlungen, wie diese effizienter angewandt werden können.
  • Entwicklung eines Verbesserungsprogramms für die Fußgängererreichbarkeit an Kreuzungen mit ÖPNV-Haltestellen gemäß den „best-practice“-Richtlinien, darunter können Maßnahmen zur Erhöhung der persönlichen Sicherheit und Verbesserung von Informationen und Beschilderung fallen.

5. Verbesserung der Verkehrssicherheit und der persönlichen Sicherheit

  • Einführung von Verkehrsberuhigungs- und Tempo 32-Zonen, wo diese das geeignetste Mittel sind, um die Fußgängersicherheit und -priorität zu steigern
  • Fortlaufende Unterstützung des Programms „Sicherer Schulweg“ in Übereinstimmung mit den Anforderungen der „best-practice“-Richtlinien.
  • Sicherstellung einer geeigneten Beleuchtung der Fußwege bei den Planungen und der Instandhaltung dieser Beleuchtungsanlagen.

6. Umsetzung des Plans und Überprüfung

Beratung:

  • Spezifische Beratung zu den Maßnahmen, die von jedem „Borough Spending Plan“ (Finanz-/Ausgabenplanung des jeweiligen Stadtbezirks) erstellt werden. Die Beratung soll auch darüber informieren, wie die Fußverkehrspläne kategorisiert und beurteilt werden.
  • TfL wird eine Gruppe zusammenstellen, die den Fortschritt des Plans überwachen und zu spezifischen Aufgabenfeldern fachlichen Rat erteilen wird.
  • Entwicklung eines qualitativen und quantitativen Geschäftsfalls und Überwachungs-/Kontrollrahmens, um die effiziente und im Zeitplan liegende Umsetzung des „Walking Plan“, seiner Zielsetzungen und Ziele, sicherzustellen.

Ist eine Bürgerbeteiligung vorgesehen?

Vor der Veröffentlichung des „Walking Plan“ wurde eine umfassende Bürgerbefragung durchgeführt, in deren Verlauf sich viele Londoner über die Schwierigkeiten beklagten, die Fußgänger in London haben. Insbesondere unterstützten diese Bürger Maßnahmen zur Verringerung von Verkehrsstaus sowie lokale Verkehrsinitiativen, die die Menschen ermuntern, mehr zu Fuß zu gehen. Darüber hinaus wurde durch Verkehrserziehung und mit Hilfe von Veröffentlichungen und Kampagnen für das Zu-Fuß-Gehen geworben.

Wie werden die Vorhaben finanziert?

Die Umsetzung des Plans für den Fußverkehr erfordert sowohl auf regionaler als auch auf lokaler Ebene einen beträchtlichen Kapitalbedarf. Die Finanzierung erfolgt nicht primär durch TfL, sondern aus dem „Borough Spending Plan process“. Dies ist der Etat, der den Stadtbezirken zur Verfügung steht. Damit die „Vision 2015“ auch ganzheitlich umgesetzt werden kann müssen die zu Verfügung stehenden, haushaltsmäßigen Mittel gesichert werden. Die Finanzierung kann aus einer Reihe von Töpfen, auf die die Stadtbezirke zugreifen können, erfolgen:

  • Travel Awareness (etwa: bewusste Wahl des Verkehrsmittels)
  • Safe Routes to School (sicherer Schulweg)
  • Treatments (Maßnahmen)
  • Interchange programmes (Programme für Kreuzungen)
  • Road Safety (Verkehrssicherheit)
  • Accessibility (Erreichbarkeit)
  • Walking (Fußgängerverkehr)
  • Highway Maintenance (Straßenunterhaltung)

Was ist bisher umgesetzt / erreicht worden?

Das Projekt war zum Zeitpunkt dieser Beschreibung noch nicht abgeschlossen.

Quellen und Anmerkungen:

Transport for London: „Making London a walkable city – The Walking Plan for London“ (2004)

Die Beschreibung der Aktivitäten zur strategischen Förderung des Fußverkehrs in der Stadt London und damit verbunden die Übersetzung des Dokumentes erfolgten Ende 2017.

Die Stadt New York in den USA hat einen Plan hauptsächlich zur Unfallverminderung im Fußverkehr beschlossen.(1) Folgende zwei Fragestellungen waren für einen Handlungsleitfaden für kommunale Fußverkehrsstrategien auch in Deutschland von Interesse:

Am Ende finden Sie die Quellenangabe.

Welches waren die zentralen Gründe und sind die Ziele für die Initiative?

Der zentrale Grund für die Initiative ist es die Anzahl der Verkehrsunfälle zu reduzieren. Die Anzahl der Verkehrsunfälle soll bis 2030 um die Hälfte reduziert werden und die Gesundheit der Bevölkerung soll durch mehr Bewegung gefördert werden.

Wie sehen die konkreten Handlungsanweisungen aus?

Basierend auf den Ergebnissen einer Studie, empfiehlt DOT (Department of Transportation) folgendes Maßnahmenpaket:

  • 1.500 Countdown-Fußgängerampeln sollen installiert werden,
  • 60 Meilen Straßenzüge sollen überarbeitet werden, um eine höhere Sicherheit für Fußgänger zu gewährleisten,
  • 20 Kreuzungen sollen überarbeitet werden, um die Sicherheit für Fußgänger auf Manhattans Straßen zu erhöhen,
  • ein Pilotprogramm soll gestartet werden, um die Sicherheitsleistung einer 20 mph Nachbarschaft zu testen und
  • ein Pilotprogramm zur Verbesserung der Sichtbarkeit auf der linken Straßenseite soll umgesetzt werden.

Auf der gesetzlichen Ebene ist vorgesehen:

  • Aufstellen von Ampel-Blitzern,
  • Einführung von Geschwindigkeitsüberwachungskameras,
  • an erforderlichen Kreuzungen sollen Spiegel für Lkw aufgestellt werden, um überkreuz zu sehen,
  • Aktualisierung des NYC Pedestrian Safety Act und
  • härtere Strafen für das Fahren ohne Lizenz.

Quellen und Anmerkungen:

  1. New York City Department of Transportation: The New York City Pedestrian Safety Study & Action Plan (2010) – online aufgerufen am 21.12.2016.

Die Beschreibung der Aktivitäten zur Unfallverminderung im Fußverkehr in der Stadt New York und damit verbunden die Übersetzung des Dokumentes erfolgte Ende 2016

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