Die Stadt Norderstedt liegt im Süden von Schleswig-Holstein, hat ca. 78.000 Einwohner und weist einen Fußwegeanteil von 16% im Modal-Split auf.

„Seit 2014 gibt es in der Stadt...ein stadtweites politisch beschlossenes Fußverkehrskonzept...[, indem] Qualitätsstandards und Maßnahmen formuliert [sind], die sukzessive umgesetzt werden. In Planungsvorhaben wird der Fußverkehr integrativ betrachtet, „allerdings [gelten] die Qualitätsanforderungen nicht als verbindlich...“

Im begrenzten Straßenraum „wird im Zweifel zu Gunsten des Autoverkehrs entschieden“. „Während für den Rad- und Fußverkehr manchmal nur die Mindestbreiten zur Verfügung stehen.“ Die bislang vernachlässigte Förderung des Fußverkehrs ist der Stadt Norderstedt daher zukünftig ein wichtiges Anliegen.

Quelle:
Schreiben des Oberbürgermeisters, i.A. Christine Haß vom 09.08.2016

Zur Webseite der Stadt: www.norderstedt.de

Wir freuen uns, dass Neustrelitz zur Modellstadt des Projektes „Bausteine für Fußverkehrsstrategien“ ausgewählt wurde und bieten an dieser Stelle erste Informationen zur Stadt:

sowie zu den Ergebnissen aus den durchgeführten Projektaktivitäten:

 

Kurzvorstellung der Stadt

Blick vom Schlossgarten auf die Stadtkirche
Foto: Patrick Riskowsky, FUSS e.V.

Die Stadt Neustrelitz liegt im Süden des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern und hat eine Einwohnerzahl von rund 21.000 (Stand 31.12.2015).(1) Sie befindet sich somit im Naturraum der Mecklenburgischen Seenplatte mit zahlreichen Seen und Wasserstraßen sowie Radfernwegen und Wasserwanderrouten, wodurch Touristen zum Wandern, Radeln und Bootfahren in der Region eingeladen werden. Angebunden ist die Stadt auf dem Schienenweg durch die Bahnstrecke Berlin-Rostock/Stralsund, welche seit Ende des 19. Jahrhunderts besteht. Zudem gibt es auf dem Wasserweg schiffbare Verbindungen in Richtung Hamburg und Berlin durch den 1842 eröffneten Kammerkanal, der bei Neustrelitz in den Zierker See mündet, wo sich auch der Stadthafen befindet.(2)

 

Innenstadt von Neustrelitz im Stadtmodell (Das Modell ist vor der Neustrelitzer Stadtkirche am Marktplatz zu betrachten.)
Foto: Patrick Riskowsky, FUSS e.V.

Neustrelitz ist eine Planstadt aus dem 18. Jahrhundert, in Auftrag gegeben im Jahr 1733 von Großherzog Adolf Friedrich III. von Mecklenburg Strelitz als neue Residenzstadt, nachdem 19 Jahre zuvor die ursprüngliche Residenz bei einem Brand vollkommen zerstört worden war. Der stadtbildprägende quadratischen Markt mit achtstraligen Sternstraßen wurde im barocken Stil errichtet und der Stadtgrundriss einer Idealstadt aus Italien nachempfunden. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden in Neustrelitz einige Kirchen, Repräsentanzbauten und Wirtschaftsgebäude, die von Friedrich Wilhelm Buttels, Schüler des berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel, entworfen worden waren. Der Schlossgarten mit Bauwerken wie der klassizistischen Orangerie oder der Kirche im neogotischen Stil sowie zahlreichen Skulpturen, Brunnen und alten Bäumen ist noch heute zu besichtigen; Lediglich das Residenzsschloss fiel den Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg zum Opfer, wurde schließlich vollständig abgetragen und nicht wieder aufgebaut.(2)

Abgesehen von der Innenstadt erstreckt sich die Gesamtstadt bandartig von Norden (Stadtteil Zierke) nach Süden (Stadtteile Kiefernheide und Strelitz-Alt). Die Ursprünge der Stadt liegen dabei in Strelitz-Alt, eine im 12. Jahrhundert gegründete slawische Siedlung, die 1931 in die Stadt Neustrelitz eingemeindet worden ist. Seitdem entwickelte sich bis in die 1990er Jahre hinein zwischen Strelitz-Alt und der Innenstadt der Stadtteil Kiefernheide, der vor allem durch die klassische DDR-Plattenbebauung der 1960er und 70er Jahre geprägt ist.(3)

Marktplatz
Foto: Patrick Riskowsky, FUSS e.V.

Aufgrund einer Ortsumgehung mit den Bundesstraßen B96, B193 und B198 ist der Innenstadtbereich weitestgehend frei von regionalen bzw. überregionalen Durchgangsverkehren. Der Marktplatz mit seiner verkehrlichen Verteilerfunktion weist allerdings einen relativ hohen Kfz-Anteil auf, was die Qualität für den Fußverkehr in gewissem Maße einschränkt. In der Mitte des Marktplatzes befindet sich eine große, kreisförmige Mittelinsel mit Bäumen, Bänken und einem Wasserspiel. Als wichtigste Geschäftsstraße und zugleich Fußgängerzone schließen sich die Strelitzer Straße und ein Einkaufszentrum im Südosten daran an. Unweit davon sind der Hauptbahnhof sowie daran angeschlossen der Busbahnhof (ZOB) zu finden. Der Fußverkehr teilt sich in der Innenstadt weitestgehend die straßenbegleitenden Gehwege mit dem Radverkehr.(3)

Fußverkehr in den konzeptionellen Planungen der Stadt

Touristischer Wegweiser für Fußgänger
Foto: Patrick Riskowsky, FUSS e.V.

Die im Neustrelitzer Verkehrsentwicklungsplan von 2004 getroffenen ersten Aussagen zum Fußverkehr wurden in der Fortschreibung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) weiter ausgeführt und mit Optimierungsbedarf versehen.(4) Insbesondere das Thema „Barrierefreiheit im öffentlichen Raum“ erhielt unter starker Beteiligung der Öffentlichkeit mittels eines Workshops, der Presse und eines Bürgerdialogs „aufgrund des Handlungserfordernisses eine entsprechende Gewichtung im ISEK“. Das ISEK sowie die daraus entwickelten Stadtteilkonzepte enthalten u. a. Aussagen zu Wegeverbindungen, Fußwegeerneuerungen sowie allgemeinen Zielstellungen, die den Fußverkehr betreffen, wie „z.B. das Ziel der Schaffung kleinteiliger Wegeverbindungen zur Erlebbarmachung der historischen Innenstadt mit konkreten Projekten“.(3)

Aus Sicht der Stadtverwaltung in Neustrelitz geht es beim Thema Fußverkehr letztendlich „um einen Paradigmenwechsel bei den einzelnen Verkehrsteilnehmern. Der ökologische, ökonomische und gesundheitliche Nutzen vom Fuß“bus“ muss wieder erkennbar gemacht werden, was unbestritten nicht zuletzt durch eine exzellente Infrastruktur befördert werden kann... In Zeiten der Automobilindustrie [besteht] für [viele] nicht das Verständnis für die Notwendigkeit des Fußverkehrs. Einschränkungen im Komfort für den Autofahrer wollen leider bisher zu wenige Entscheidungsträger hinnehmen, um klare Zeichen für eine den Fußverkehr fördernde und damit entschleunigte Stadt zu setzen. Nicht zuletzt muss konstatiert werden, dass dieses Thema auf Planungsebene bislang (noch) nicht die erforderliche Beachtung erfahren hat.“(1)

Projektverlauf

An dieser Stelle möchten wir Sie über den Projektverlauf und die Ergebnisse von den stattgefundenen Veranstaltungen in der Stadt Neustrelitz informieren.

Das Projekt „Bausteine für Fußverkehrsstrategien (FVS2)“ ist Mitte Juni 2018 mit einem ersten Vorgespräch und Stadtrundgang mit der Verwaltung (PDF) gestartet. Darüber hinaus führte FUSS e.V. einen internen Fach-Fußverkehrs-Check im Format „BlitZlicht“ auf einer ausgewählten Route durch die Innenstadt von Neustrelitz durch. Am 27. September 2018 fand ein Workshop statt, zu dem Verbände- und Interessensvertreter/innen aus der Region eingeladen waren, die Stadt Neustrelitz auf dem Weg als Modellstadt für Fußverkehrsstrategien zu begleiten. Die Ergebnisse des Workshops finden Sie hier als Download (PDF).

Check-Station Marktplatz in Neustrelitz
Check-Station Marktplatz in Neustrelitz (Foto: Patrick Riskowsky, FUSS e.V.)

Am Nachmittag des 18. Oktober 2018 fand unter der Regie von Bertram Weisshaar und Patrick Riskowsky ein öffentlicher Fußverkehrs-Check (Format "Wetterleuchten") auf einer ausgewählten Laufroute durch die Innenstadt der rund 20.000 Einwohner großen Residenzstadt Neustrelitz statt. Trotz der sehr geringen Teilnehmerzahl, die wohl dem nasskalten Wetter an diesem Tag geschuldeten gewesen sein musste, kamen an den insgesamt zehn Stationen des Fußverkehrs-Checks anregende Diskussionen zustande, aus denen sich durchaus prüfenswerte Hinweise und Vorschläge zur Verbesserung der Situation des Fußverkehrs für die Stadtverwaltung, vertreten durch den Leiter des Amtes für Stadtplanung und Grundstücksentwicklung, Axel Zimmermann, herauskristallisierten. Die Teilnehmenden protokollierten die Veranstaltung selbstständig mittels einer Check-Vorlage und durften am Ende des Rundgangs je drei Punkte zur Priorisierung von Maßnahmen für den Fußverkehr vergeben. Die Ergebnisse der Fußverkehrs-Checks können Sie sich als PDF herunterladen.

Ausführliche Informationen zu unseren Check-Methoden finden Sie übrigens unter: www.fussverkehrs-check.de

Der Projektabschluss in Neustrelitz fand am Donnerstag, den 31. Januar 2019 statt mit einem Gespräch in der Stadtverwaltung sowie der Überreichung der Projekt-Teilnahme-Urkunde im Anschluss. Im Protokoll (PDF) finden Sie alle zusammenfassend besprochenen Themen sowie ein abschließendes Fazit zur Projektarbeit in Neustrelitz.

 

Quellen

  1. Schreiben des Amtes für Stadtplanung und Grundstücksentwicklung Neustrelitz, vom 11.10.2016
  2. Webseite der Stadt, Kategorie Stadtportrait, abgerufen am 28.06.2018 unter: https://www.neustrelitz.de/erleben/stadtportrait
  3. Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) der Stadt Neustrelitz (2016), zweite Fortschreibung (Ursprungsdokument von 2002), Wagner Planungsgesellschaft, S. 9ff. und S. 87ff., abgerufen am 17.05.2018 unter: https://www.neustrelitz.de/leben/stadtentwicklung_und_bau/lib/media.php?id=4973
  4. Vgl. Verkehrsentwicklungsplan (VEP) der Stadt Neustrelitz (2004), Kurzfassung, Gesellschaft für angewandte Stadt- und Strukturforschung GbR (Kommunal Data)

 

 

Die Stadt Neumünster war bei der Bewerbung zur Modellstadt im Rahmen des Projektes „Handlungsleifaden für Fußverkehrsstrategien (FVS)“ leider bei 34 Mitbewerbern 2016/17 unterlegen (vgl. Übersichtskarte). Dies bedeutet aber keinesfalls, dass es in dieser Stadt keine Herausforderungen hinsichtlich der Projekt-Zielvorstellungen, keine Ansätze für deren Lösung und kein Potential zur strategischen Förderung des Fußverkehrs gibt. Ganz im Gegenteil. Sie erhalten folgende Informationen:

Kurzvorstellung der Stadt Neumünster

Großflecken in der Stadtmitte (FUSS e.V., Herzog-Schlagk)

Neumünster ist eine kreisfreie Stadt in der Mitte Schleswig-Holsteins mit einer Einwohnerzahl von ca. 82.000 (Stand: 31.12.2016). Im Ergebnis einer ganzjährigen Mobilitätsbefragung im Jahr 2013 weist die Stadt im Modal-Split einen Fußwegeanteil von 30% im Binnenverkehr und 26% im Gesamtverkehr auf.

Der Fußverkehr in Neumünster spielte in bisherigen Planungen allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Einzig im Verkehrskonzept Neumünster-Innenstadt aus 1997 wurden auf Basis einer Schülerbefragung Handlungsbedarfe für diesen städtischen Teilraum identifiziert. Dabei bietet sich auf Grund der Stadtstruktur das Zu-Fuß-Gehen für viele alltägliche Wege in Neumünster an. Die Angebote der täglichen Versorgung, Kindertagesstätten und Schulen liegen in den Stadtteilen in der Regel in fußläufiger Entfernung. Mit einer Ausnahme liegen alle Stadtteile nicht weiter als 4 km vom Großflecken, dem zentralen Stadtplatz in der Innenstadt, entfernt.

Obwohl im Binnenverkehr bereits 30% aller Wege zu Fuß zurückgelegt werden, bei Wegen unter 1km sind es sogar 66%, wird noch ein Steigerungspotenzial gesehen. Vor allem bei der Qualität der vorhandenen Gehwege und Wegeachsen besteht Handlungsbedarf. Oberflächenzustand, Wegbreiten, barrierefreie Querungen, aber auch Aufenthaltsqualität sind hier die Schlagwörter. Ziel der Stadtverwaltung ist es daher nach der Fertigstellung des Radverkehrskonzeptes sich verstärkt auch dem Zu-Fuß-Gehen planerisch zu nähern, z.B. in Form von Nahmobilitätsplänen auf Stadtteilebene.

Quelle:
Schreiben des Fachdienstes Stadtplanung und Stadtentwicklung Neumünster, Michael Köwer, vom 13.09.2016

Zur Webseite der Stadt: www.neumuenster.de

Projekt-Konzept für die Stadt Neumünster

Vicelinviertel (FUSS e.V., Bernd Herzog-Schlagk)

Am 2. Februar 2017 verständigten sich die Stadtverwaltung und der FUSS e.V. auf zwei Schwerpunkte der Zusammenarbeit:

  • Zum Innenstadtkonzept wird der FUSS e.V. ein kurzes Meinungsbild (Blitzlicht-Fußverkehrscheck) zum zentralen Platz Großflecken und dessen Anbindung an den Bahnhof Neumünster durchführen.
  • Für den innenstadtnahen Stadtteil Vicelinviertel wird der FUSS e.V. ebenfalls einen kurzen Fußverkehrscheck durchführen und punktuelle Aussagen für die Verbesserung der Barrierefreiheit sowie der Bedingungen für den Fußverkehr formulieren.

Großflecken stellt nach Ansicht des FUSS e.V. in vielerlei Hinsicht ein positives und dennoch verbesserungswürdiges Beispiel einer innerstädtischen Platzgestaltung dar. Das Vicelinviertel ist dagegen etwas in die Jahre gekommen und bedarf einer Unterstützung durch die Stadt, um den Anschluss an derzeit als lebenswert eingeschätzte Wohnquartiere nicht gänzlich zu verlieren. Ohne eine Unterstützung des Fußverkehrs und damit der Rückgewinnung von Urbanität wird dies kaum gelingen können.

München ist die Landeshauptstadt Bayerns und hat eine Einwohnerzahl von ca. 1.388.000. Der Fußwegeanteil der Stadt beträgt im Modal-Split 28%.

Die Stadt München hat den Textvorschlag aufgrund ihres Bewerbungsschreibens als Modellstadt für das Projekt „Handlungsleitfaden für Fußverkehrsstrategien“ noch nicht zur Veröffentlichung freigegeben.

Zur Webseite der Stadt: www.muenchen.de

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