Logo Plan Marche der Plaine Commune
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Der Gemeindeverband Plaine Commune nördlich von Paris in Frankreich hat einen ambitionierten Plan zur Förderung des Fußverkehrs in insgesamt neun Gemeinden beschlossen und bereits einige der Maßnahmen umgesetzt.(1) Folgende Fragestellungen waren für einen Handlungsleitfaden für kommunale Fußverkehrsstrategien auch in Deutschland von Interesse:

Am Ende finden Sie die Quellenangaben.

Welches waren die zentralen Gründe und sind die Ziele für die Initiative?

Der Fußplan Plaine Commune ist eine neue Vorgehensweise in Île-de-France.

. Er hat folgende Ziele:

  • die Luftqualität durch die Stärkung des Fußverkehrs auf kurzen Wegen zu verbessern und dem Klimawandel entgegen zu wirken,
  • die Fußverkehrsbedingungen in diesem Gebiet sicherer und angenehmer zu machen, wo die Zu-Fuß-Fortbewegungen zwar zahlreich aber auch häufig eingeschränkt und unattraktiv sind,
  • die Attraktivität des ÖPNV durch die Optimierung ihrer fußläufigen Erreichbarkeit, Zugänglichkeit und Barrierefreiheit zu verbessern sowie
  • die Fortbewegungen mit dem Auto zu reduzieren, indem man zum Zufußgehen motiviert wird.(2)

Der Fußverkehrsplan ist in einer globalen alternativen Verkehrspolitik eingebunden, die gesündere Verkehrsmittel als das individuelle Auto fördert. Fußverkehr hat ein starkes Potenzial hinsichtlich der Dichte der Bevölkerung auf dem Gebiet und auch weil die Bevölkerung jung und wenig motorisiert ist.

Die schlechte Luftqualität der Region Île-de-France wirkt sich negativ auf die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung aus. Die Immissionen erhöhen das Risiko von Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie von Krebs, besonders bei schwangeren Frauen, älteren Menschen und Kindern. In Plaine Commune wurden in der Nähe von Hauptverkehrsstraßen regelmäßig Schadstoffemissions-Überschreitungen registriert. Durch die Maßnahmen im Rahmen des Fußverkehrsplans soll der Autoverkehrsanteil reduziert und durch Wege zu Fuß ersetzt werden. Sie sollen sich auf die Wege konzentrieren, die kürzer als ein Kilometer sind und innerhalb von 15 Minuten mit einer Geschwindigkeit von 4 km/h zurückgelegt werden können.

Immerhin haben 43% der Haushalte in Plaine Commune kein Auto (3). Es gibt ungefähr 1,6 Millionen Fortbewegungen jeden Tag innerhalb des Gebietes von Plaine Commune und 68 % davon sind zu Fuß. Der Fußverkehr ist somit ein sehr wichtiges Verkehrsmittel und auch die öffentlichen Verkehrsmittel ÖPNV werden meist zu Fuß erreicht. Jedoch sind die Fortbewegungen zu Fuß mitunter unsicher und unangenehm. Deshalb ist es wichtig, den Schwerpunkt auf die Verbesserung der Infrastruktur für den Fußverkehr und die Erreichbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel zu legen.

Ein Teil des Gebietes ist zwar für den Fußverkehr geeignet, aber durch seine industrielle Geschichte und die entsprechenden Infrastrukturen fußgängerunfreundlich. Durch Umstrukturierungen der Industrien und Schließung der Lagerhäuser sind unwirtliche Brachen entstanden. Der Fluss (Seine), der Kanal (Canal Saint-Denis) und die Grünflächen bieten nicht nur angenehme Spaziergangwege, sondern aufgrund zu weniger Übergangsmöglichkeiten und der Nachtabschließung der Grünanlagen auch Barrieren.
Daher hatte der territoriale Entwicklungsauftrag (Contrat de Développement Territorial, CDT), der im Jahr 2014 von den neuen Kommunen des Gemeindeverbands verabschiedet wurde und die Grundlage für die Entwicklung des Gebietes Plaine Commune darstellt, die Notwendigkeit unterstrichen, die Alltagsmobilität der Bewohner zu verbessern. Zielsetzung war, das Gebiet besser zu strukturieren und zu organisieren, unter Einbeziehung der Entwicklung bestehender Innenstädte und neuer Zentren in Bahnhofsnähe und an den ÖPNV-Stationen. Es geht um die Schaffung von lebendigen Alltagsräumen.

Darüber hinaus wurde formuliert, die Fortbewegungen mit Autos und motorisierten Zweirädern von 2010 bis 2020 um 2% zu senken, den Anteil des Zufußgehens um 18 % und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel um 14 % zu erhöhen sowie den Radverkehr zu verdreifachen. Mit diesen Zielen aus dem territorialen Entwicklungsauftrag (CDT) als Grundlage wurden für den Fußverkehrsplan entsprechende Unterziele und Maßnahmen entwickelt.

Gibt es einen Durchführungs-Beschluss?

Das Projekt wurde von den neun Gemeinden des Gemeindeverbands Plaine Commune ab 2013 angestoßen und im August 2016 bei der Mobilitätsgeneraldelegation (délégation générale à la mobilité) verabschiedet. Der Fußverkehrsplan ist als ein Teil des Stadtplanungsdokumentes „Plan Local de Déplacements“ (lokaler Plan der Fortbewegungen) in die gesamte Mobilitätspolitik von Plaine Commune integriert. Dabei legt der Plan local de déplacements die Leitlinien fest (z.B. „Entwicklung des Zu-Fuß-Gehens“) und der Fußverkehrsplan füllt sie detaillierter aus.

Wie sehen die konkreten Handlungsanweisungen aus?

Das Aktionsprogramm besteht aus drei Schwerpunkten:

1. Einschränkung von Hemmnissen und Barrieren, die das Zu-Fuß-Gehen unattraktiv machen
Ziele sind, das Zu-Fuß-Gehen sicherer und angenehmer zu machen, es zu erleichtern und zu entwickeln sowie eine Reduzierung von kurzen Pkw-Fahrten, um die Luftqualität zu verbessern und der Klimawandel zu bekämpfen. Dafür sollen Hemmnisse und Barrieren beseitigt werden (Zeitplan: 2016-2020). Bei den geplanten Aus- und Umbauten geht es z.B. um die Erweiterung von Bürgersteigen, die Sicherung von Überquerungen, die Verbesserung der Beleuchtung, Bepflanzungen usw. Die derzeitigen Barrieren und Mängel in der Infrastruktur werden mit Beteiligung von Personen aus der der Gemeindevertretung und der Bürgerinnen und Bürger identifiziert und umgesetzt. Die erste Bauphase betrifft vier Straßen, jede in einer Stadt des Gemeindeverbandes (rue Henri Barbusse in Villetaneuse, avenue Gabriel Péri in Epinay-sur-Seine, rue du Général Moulin in Pierrefitte-sur-Seine, rue Pinel in Saint-Denis). Für Zielpunkte auf Hauptrouten, auf den es trotz der Notwendigkeit einer Verbesserung des Fußverkehrs und der Fußgängerfreundlichkeit bisher noch keine Planung gibt, ist ein spezielles Programm vorgesehen. Darüber hinaus soll versucht werden, die Hemmnisse und Barrieren im Rahmen laufender oder weiterer Planungen zu beheben.

2. Beschilderung der Fußwege
Damit sollen die räumliche Orientierung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Gäste der Gemeinden hin zu den attraktiven Orten erleichtert und durch die Darstellung von kurzen Entfernungen die Menschen zum Gehen motiviert werden. Es ist vorgesehen, die Beschilderungen in etwa gleichen Abständen aufzustellen.

3. Öffentlichkeitsarbeit
Es geht darum, die Menschen zum Gehen zu motivieren und die Öffentlichkeit für die Vorteile des Fußverkehrs zu sensibilisieren. Weiterentwickelt werden soll z.B. eine interaktive Karte „um mich herum“ („autour de moi“), die mit einer Fuß-Reisedauerinformation ausgestattet wird. Darüber hinaus sollen Informationen über das Zu-Fuß-Gehen auf neuen und bestehenden Plänen und Karten aufgenommen werden, über die Hauptstrecken mit Reisedauern sowie über die Vorteile des Fußverkehrs für die Umwelt und die Gesundheit. Darauf aufbauend ist ein dem Fußverkehr gewidmeter Gebietsplan auf der Ebene des Gemeindeverbandes Plaine Commune vorgesehen.

Ist eine Bürgerbeteiligung vorgesehen?

2015 fand eine Bürgerbeteiligung mit zwei öffentlichen Sitzungen und sieben partizipativen Fußgängerchecks statt. Dabei wurden die Bestandsaufnahme und die Leitlinien vorgestellt und die Wahrnehmung von Hemmnissen für alle Beteiligten erlebbar gemacht. Es wurde vor allem der Wunsch für einen besser organisierten öffentlichen Raum geäußert, der mehr Platz für die Mobilität zu Fuß und mit dem Rad haben soll. Bemängelt wurden die überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel. Häufig wurde auf die Alltagsfortbewegung erschwerende Details hingewiesen, wie z.B. beschädigte Gehwege, falsch parkende Autos oder Abfälle auf der Straße.(4)

Wie werden die Vorhaben finanziert?

Der Fußverkehr untersteht dem Stadtplanungsdokument Plan local de déplacement (lokaler Plan der Fortbewegung), der im Oktober 2016 neu beschlossen wurde und ein bewilligtes Budget für den Zeitraum 2016-2020 beinhaltet. 45.000 Euro pro Jahr sind für die Entwicklung der Beschilderung (Schilder an 250 Kreuzungspunkten) und 100.000 Euro pro Jahr für den Abbau der 40 identifizierten Hemmnisse und Barrieren vorgesehen. Allerdings hat sich das bewilligte Budget als nicht ausreichend herausgestellt. Deshalb kam es über eine Lobbyarbeit bei öffentlichen Partnern zu weiteren Förderungen: Die Métropole du Grand Paris (5) hat 317.000 Euro (mit dem Fond d'Investissement Métropolitain - FIM) und die Stadtpolitik „ville responsable“ (verantwortungsbewusste Stadt) hat in Zusammenarbeit mit der ADEME (Umwelt- und Energieagentur), dem Umweltministerium (Ministère de la transition écologique et solidaire) sowie dem staatlichen Finanzinstitut Caisse des Dépôts 132.000 Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. Doch noch immer wird von den Beteiligten die Finanzdecke als zu nicht ausreichend angesehen.

Plan Marche Umsetzung
Plan Marche Umsetzung

Was ist bisher umgesetzt / erreicht worden?

Die wesentlichen Fußwege, die zu bauen, zu verbessern bzw. zu fördern sind, und die Hemmnisse und Barrieren wurden für jede Gemeinde bereits identifiziert. Dabei wurden drei Arten von Fußwegen kategorisiert: Hauptfußwege, Nebenfußwege und die weiteren Fußwege. Im Jahr 2017 wurden 12 Kreuzungen neu eingerichtet in Epinay-Sur-Seine, Stains und Villetaneuse, um die Bedingungen für den Fußverkehr dort zu verbessern. In Villetaneuse wurden z.B. in der Straße Henri Barbusse die Gehwege verbreitert und eine Haltestelle für die Schulbusse erstellt.(6) Auch wurde die Straße Pinel in Saint-Denis verlängert und durch eine Bremsschwelle ein besserer Fußgänger-Zugang erreicht.(7) In Saint-Ouen wurden an einer Kreuzung (carrefour de la mer) in der Nähe einer Schule, wo es schon Unfälle gab, der Gehweg verbreitet und die Grünzeiten verlängert. Allein dafür betrugen die Kosten ca. 150.000 €. Von den Eltern und den Einwohnern gab es anschließend positive Rückmeldungen.(8)

Für das Jahr 2018 plant Plaine Commune die Bearbeitung 25 Kreuzungen in Sains, Epinay-Sur-Seine und La Coureneuve und den Abbau von Hemmnissen und Barrieren in der Straße Général Moulin in Pierrefitte und der Straße Gabriel Péri in Epinay. Die vorgesehenen Kosten betragen ca. 770 000 €. In Epinay-sur-Seine finden derzeit schon Bauarbeiten auf der Hauptstraße Gabriel Péri statt (Verbreitung des Gehwegs, Umbau zur leichteren Gefälle, Bepflanzung). Auch die Orientierung soll im Januar 2018 an vier Kreuzungen durch Beschilderungen verbessert werden.

Quellen und Anmerkungen:

  1. Plaine Commune ist ein französischer Gemeindeverband mit der Rechtsform eines Établissement public territorial im Département Seine-Saint-Denis in der Region Île-de-France. Der Gemeindeverband wurde am 1. Januar 2016 gegründet und umfasst neun Gemeinden (Aubervilliers, La Courneuve, Épinay-sur-Seine, L’Île-Saint-Denis, Pierrefitte-sur-Seine, Saint-Denis, Saint-Ouen, Stains, Villetaneuse). „Ein Établissement public territorial (EPT) ist eine im Jahr 2016 neu eingeführte Rechtsform eines Gemeindeverbandes (Établissement public de coopération intercommunale - EPCI) in Frankreich. Diese spezielle Form wurde ausschließlich zur Untergliederung der rund 7 Millionen Einwohner zählenden Métropole du Grand Paris geschaffen und kommt daher nur in den Départements Département Hauts-de-Seine, Département Seine-Saint-Denis und Département Val-de-Marne der Region Île-de-France zum Einsatz. Sie dienen der gemeinsamen Wahrnehmung kommunaler Aufgaben der beteiligten Gemeinden. Die jeweilige Kompetenzaufteilung wird zwischen der Métropole-Verwaltung und den EPTs individuell vereinbart“. Aus Wikipedia
  2. Plaine Commune. Camille Guéneau, Viken Renouard. 2016. Plan marche de Plaine Commune – Rapport. 105 pages. ADEME, Seite 8-10.
  3. Enquête globale transport, 2010.
  4. Plan marche Seite 14, bilan de la concertation
  5. Die Métropole du Grand Paris ist ein französischer Gemeindeverband mit der Rechtsform einer Métropole in den Départements Essonne, Hauts-de-Seine, Seine-Saint-Denis, Val-de-Marne, Val-d’Oise und der Stadt Paris in der Region Île-de-France, dem neben Paris 130 weitere Städte und Gemeinden angehören. Aus Wikipedia
  6. siehe
  7. siehe
  8. Telefongespräch mit dem Ansprechpartner von Plaine Commune, Herrn Mathieu Leterrier.

Die Beschreibung der Aktivitäten zur strategischen Förderung des Fußverkehrs im Gemeindeverband Plaine Communes und damit verbunden die Übersetzungen der Dokumente erfolgten im Januar 2018.

In der Stadt Freiburg im Breisgau in Baden-Württemberg (ca. 220.000 Einwohner) ist die Initiative von Verbänden ausgegangen. Folgende vier Fragestellungen sind möglicherweise auch für andere Städte in Deutschland von Interesse:

Am Ende finden Sie die Quellenangabe.

Welches waren die zentralen Gründe und sind die Ziele für die Initiative?

Das große Ziel der Initiative „Besser unterwegs in Freiburg“ ist es, dass die Mobilität in Freiburg zu mehr Lebensqualität beiträgt und umweltfreundlicher wird, d.h. sicherer und komfortabler für Zu-Fuß-Gehende und Radfahrende wird.

Wie sehen die konkreten Handlungsanweisungen aus?

Der Leitfaden dieser Initiative sieht bis jetzt so aus, dass der Verkehr mit Hilfe der Kommentare der Bürger (siehe Bürgerbeteiligung) sicherer gestaltet werden soll.
Außerdem sollen Fußwege komfortabler werden, indem z.B. Straßenführungen und Ampelschaltungen besser an die Bedürfnisse alter bzw. langsamerer Verkehrsteilnehmer angepasst werden.

Ist eine Bürgerbeteiligung vorgesehen?

Es gibt bisher keinen Beschluss der Stadt. Die Initiative wird getragen von Verbänden in der Stadt (VCD-Kreisverband südlicher Oberrhein, ADFC-Kreisverband Freiburg, Greenpeace Freiburg, Klimabündnis Freiburg) Durch eine interaktive Karte, die auf der Webseite der Initiative „Besser unterwegs in Freiburg“ zu finden ist, haben Bürger die Möglichkeit auf einem Stadtplan die Stellen im Straßenverkehr zu markieren, die sie als besonders kritisch ansehen und sie können dazu Bemerkungen hinterlassen.

Was ist bisher umgesetzt / erreicht worden?

Das Garten- und Tiefbauamt hat zugesagt die Kommentare und Hinweise der interaktiven online-Karte umzusetzen, soweit das innerhalb der laufenden Aktivitäten, personellen und finanziellen Mittel möglich ist. Im September 2016 wurde in Freiburg ein Fußverkehrs-Check durchgeführt, der von der Landesregierung gefördert wurde. Dies könnte der Startschuss für die Erstellung einer Fußverkehrsstrategie sein.

Quellen und Anmerkungen:

Die Beschreibung der Aktivitäten zur strategischen Förderung des Fußverkehrs in der Stadt Freiburg erfolgte Ende des Jahres 2016. Aktuelle Informationen entnehmen Sie bitte der Website der Stadt

Die Stadt Aachen in Nordrhein-Westfalen (ca. 240.000 Einwohner) möchte den Fußverkehr systematischer fördern. Folgende sechs Fragestellungen sind möglicherweise auch für andere Städte in Deutschland von Interesse:

Am Ende finden Sie die Quellenangabe.

Welches waren die zentralen Gründe und sind die Ziele für die Initiative?

„Künftig sollen mehr Menschen auf angenehmen und gesunden Wegen zu Fuß zur, aus und innerhalb der Innenstadt unterwegs sein“, lautet das Ziel im Bereich Fußverkehr der Mobilitätsstrategie 2030 in Aachen. Im Einzelnen:

  • „Zu Fuß gehen intensivieren: Jeder Mensch geht mehr und mehr Menschen gehen zu Fuß.
  • Die Bürger bewerten die Gesamtsituation für das zu Fuß gehen in Aachen im Mittel mindestens gut.
  • Wir wollen erreichen, dass keine Fußgänger verletzt werden oder zu Tode kommen.
  • Lückenloses Fußgängerwegenetz einrichten und damit gute Orientierung sicherstellen sowie fußläufige Erreichbarkeit sichern.
  • Gleichberechtigung der Nutzer im öffentlichen Raum schaffen durch eine Strategie der vernetzten Mobilität und mehr Bewegungsraum für Fußgänger.
  • Im Straßenquerschnitt von außen nach innen planen gemäß den aktuellen Richtlinien, um attraktive Gehwege zu schaffen.
  • Aufenthaltsqualität und Freiraumqualität für Fußgänger durch Grün, Wasser, Licht und Bänke erhöhen.
  • Lärm mindern und Luftqualität verbessern.
  • Kultur des Gehens/Flanierens fördern.
  • „Lust auf Bewegung“ etablieren und Bewegungsangebote steigern z.B. durch sogenannte Bewegungsparcours.
  • Sicherheit erhöhen durch Senkung der Unfallrisiken, Unfallschwerpunkte entschärfen, Angsträume entschärfen.
  • Mängel und Barrieren für Fußgänger reduzieren, d.h. Mindeststandards mit Gehwegbreiten von 2,50m und barrierefreien Oberflächen einhalten.
  • Keine Straßenplanung mit Defiziten bei Barrierefreiheit und Fußgängerfreundlichkeit; Sicherstellung durch Einhaltung vereinbarter Entwurfsstandards wie auch dem Gestaltungshandbuch der Stadt Aachen.“(1)

Gibt es einen Durchführungs-Beschluss?

Der Beschlussvorschlag lautet im Entwurf folgendermaßen: „Diese Strategie wird vom Mobilitätsauschuss beschlossen. Die Verwaltung wird damit beauftragt, kurzfristig/mittelfristig ein Handlungsprogramm aufzustellen. Dabei sind u.a. die Zuständigkeiten zu klären und Kosten zu beziffern. Im Bereich des Innenstadtkonzepts 2022 wurden einige der genannten Maßnahmen für Fußgänger im März 2015 beschlossen.“(2)

Wie sehen die konkreten Handlungsanweisungen aus?

Die sieben Handlungsfelder der Fachkommission Fußgänger lauten:

  • Raumplanung für Fußgänger (Fußwegenetz)
  • Aufenthaltsqualität
  • Umwelt
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Gesundheit/Bewegung
  • Sicherheit
  • Barrierefreiheit/Inklusion

Ist eine Bürgerbeteiligung vorgesehen?

Innerhalb der Verwaltung werden die Interessen der Bürger durch einen Fußgängerbeauftragten vertreten. Er stellt das Bindeglied zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung dar. Darüber hinaus helfen verschiedene Kampagnen dabei, den Bürgern das Thema „Zu-Fuß-Gehen“ bewusst zu machen und in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Wie werden die Vorhaben finanziert?

Maßnahmen innerhalb der Innenstadt werden auch durch das Innenstadtkonzept 2022 anteilig und schrittweise umgesetzt. Für Maßnahmen außerhalb des Innenstadtkonzepts ist die individuelle Finanzierung noch zu klären.

Was ist bisher umgesetzt / erreicht worden?

Bisher wurden bereits Einzelprojekt umgesetzt, wie z.B. die Fußgängerbrücke Campus West sowie die Errichtung des verkehrsberuhigten Geschäftsbereichen zur Steigerung der Attraktivität des Einzelhandels.

Quellen und Anmerkungen:

  1. Entwurf der „Strategie für Fußgänger“(2015) aus der Mobilitätsstrategie 2030
  2. ebd., Seite 4

Die Beschreibung der Aktivitäten zur strategischen Förderung des Fußverkehrs in der Stadt Aachen erfolgte Ende des Jahres 2016. Aktuelle Informationen entnehmen Sie bitte der Website der Stadt

Die Stadt Erfurt in Thüringen (ca. 205.000 Einwohner) möchte den Fußverkehr systematischer fördern. Folgende sechs Fragestellungen sind möglicherweise auch für andere Städte in Deutschland von Interesse:

Am Ende finden Sie die Quellenangabe.

Welches waren die zentralen Gründe und sind die Ziele für die Initiative?

Durch eine sehr großflächige „Begegnungszone Innenstadt“ soll der zentrale Bereich der Innenstadt mit der Altstadt und seinem städtebaulich attraktiven Umfeld einen hochwertigen Charakter bekommen. Im Fokus sind die Sicherheit und die Ermöglichung des Zu-Fuß-Gehens und die Aufenthaltsfunktionen. Die wesentlichen innenstadtbezogenen Ziele lauten:

  • Erhalt und Schutz der historischen Innenstadtbereiche,
  • Stärkung und Funktion des Stadtzentrums als Handels- und Dienstleistungsstandort,
  • Priorität des ÖPNV bei der Erschließung der Innenstadt,
  • Flächenhafte Priorität des Fußgängerverkehrs in der Innenstadt,
  • Flächenhafte Verkehrsberuhigung der Innenstadt,
  • Freihalten von Straßenräumen in der historischen Innenstadt vom ruhenden Kraftfahrzeugverkehr,
  • kurze Wege im Fußgängerverkehr sowie
  • Sicherung der Überquerbarkeit von Hauptverkehrsstraßen, Straßenbahn- und Eisenbahntrassen (1)

Gibt es einen Durchführungs-Beschluss?

Die verschiedenen Zielkonzepte (Fußverkehr, Radverkehr, ÖPNV,...) greifen häufig ineinander und können parallel umgesetzt werden. Es erfolgte

  • eine Beschlussfassung zur Umsetzung des Verkehrsentwicklungsplans, Teil Innenstadt (mit Wirtschaftsverkehr) und
  • die Ausschreibung und Auftragsvergabe zur Fortschreibung des Parkraumbewirtschaftungskonzeptes Innenstadt mit flankierenden Maßnahmen im gesamtstädtischen Kontext sowie die Durchführung der Analyse und Bilanzierung von Parkraumangebot und-nachfrage in der Innenstadt als Grundlage für die weiteren Teilschritte zur möglichst kurzfristigen Umsetzung der Begegnungszone.

Wie sehen die konkreten Handlungsanweisungen aus?

  • Umsetzung der „Begegnungszone Innenstadt“ durch Ausweisung mittels Beschilderung sowie Realisierung der flankierend erforderlichen Maßnahmen in den Bereichen MIV-Erschließung/Verkehrszellen, Parken sowie Wirtschaftsverkehr .
  • Anordnung der nicht als Fußgängerbereich ausgewiesenen Straßen (-abschnitte) innerhalb der Begegnungszone als Verkehrsberuhigter Bereich, kurzfristig durch Kennzeichnung der Einfahrtsbereiche, langfristig ggf. auch mit Anpassung der Straßenraumgestaltung unter Berücksichtigung stadtgestalterischer, stadthistorischer bzw. Aspekte des Denkmalschutzes.
  • Überprüfung weiterer Abschnitte von Straßen, Gassen und Plätzen innerhalb der Begegnungszone im Hinblick auf die Frage, ob sie straßenverkehrsrechtlich als Fußgängerbereich (ggf. mit erforderlichen Ausnahmen für ÖPNV, Radverkehr, Lieferverkehr und Grundstückszufahrten) ausgewiesen und entsprechend umgestaltet werden können.(2)

Quellen und Anmerkungen:

  1. Die Informationen wurden dem Verkehrsentwicklungsplan Erfurt Teil Innenstadt mit Wirtschaftsverkehr Kapitel 3 entnommen
  2. ebd., Kapitel 4.6.1, F1 bis F3

Die Beschreibung der Aktivitäten zur strategischen Förderung des Fußverkehrs in der Stadt Erfurt erfolgte Ende des Jahres 2016. Aktuelle Informationen entnehmen Sie bitte der Website der Stadt.

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